Welle ist jetzt zu
transparent
Nur Glaselemente sollten
die Besucher der "Welle" von See und Grünanlagen trennen. Nun heißt
es, Sehbehinderte könnten den Glasbau übersehen.
Die Gebäudedurchsicht war den Architekten Nägele, Waibel, Ritsch und Spagolla
äußerst wichtig, forderten die eingebundenen Bürger in der Werkstattgruppe
zuvor vor allem, die Welle solle hell, attraktiv, offen und leicht sein. Wie
Hafen- Geschäftsführer Jakob Netzer aus den langwierigen Diskussionen der
vergangenen Wochen weiß, ist das Bauwerk etwas zu offen, zu leicht, zu transparent
geworden.
Genehmigung auf dem Spiel
Denn die Mühlen des Behördenapparats gerieten in Bewegung, als es um die
Betriebsgenehmigung ging. Die ernst gemeinte Kernfrage: Ist die „Welle“ für
Sehbehinderte („Personenschutz“) oder Tiere („Vogelschutz“) eine Gefahr?
Zunächst hegte die Bezirkshauptmannschaft Bregenz – zuständig für den
Vogelschutz ab 1,40 Meter Gebäudehöhe – Zweifel, ob Vögel die transparente
Welle im Tiefflug übersehen (und kollidieren) könnten. Müßig zu erwähnen,
dass aufgeklebte, schwarze Vogelumrisse auf Glasflächen bei Architekten keine
Begeisterung auslösen. Hafen- Chef Jakob Netzer bestätigt den VN, dass es
lange Verhandlungen gegeben hat. Bezirkshauptmann Elmar Zech sagt: „Es konnte
das klare Ergebnis einvernehmlich erzielt werden, dass derzeit keine Maßnahmen
für den Vogelschutz zu treffen sind. Zwischen 1,40 bis 4 Meter bleiben die
Glasscheiben ohne Beklebung.“ Freilich ist auch das nicht endgültig. „Es
wurde ein Beobachtungszeitraum von einem Jahr vereinbart“, sagt Netzer.
Gefahr für Passanten
Wie aber sieht es mit dem Personenschutz – also der Glashöhe bis 1,40 Meter
– aus? Stadtbaumeister Dr. Bernhard Fink war zum Thema „Welle“ für die VN
gestern nicht zu
sprechen, wollte sich nicht äußern. Wie die VN erfuhren, war die Stadt in
Sachen Personenschutz als Baubehörde nicht so leicht zufriedenzustellen. Im
Rahmen einer Verhandlung vor Ort wurde dem Betreiber vorgeschrieben, dass in der
Höhe von 90 und 140 cm Beklebungen zur Sicherheit angebracht werden müssen:
Personen mit eingeschränkter Sehkraft könnten in die Glasscheiben laufen.
Somit wurden als Provisorium die auf obigem Bild gezeigten Balken angebracht.
„Die weißen Streifen werden am Freitag durch von den Architekten gestaltete,
kleine Dreiecke ausgetauscht“, sagt Netzer. Damit ist die Welle keine Gefahr für
die Bevölkerung, befand dann auch die städtische Baubehörde. Gestern um 15
Uhr konnte Jakob Netzer aufatmen. Vogel- und Menschenschutz erfüllt: Die
Betriebsgenehmigung für die „Welle“ wurde offiziell erteilt. Geplant war
dafür der 30. April: „Wir sind also zwei Tage zu früh dran“, lacht Netzer.
Ab 1. Mai ist das Gebäude in Betrieb – und kann von Schaulustigen inspiziert
werden.
(Vorarlberg
Online v. 29.04.10)